in Zusammenarbeit mit: Bleiberecht-Kollektiv, Andreas Heusser und Guido Henseler![]()
Die Überschneidung der Begriffe „Tourismus“ und „Migration“ wird in den letzten Jahren vermehrt von verschiedenen Akteuren aus der Kultur und der Wissenschaft diskutiert. Gegenwärtig lässt sich feststellen: ob auf der Flucht vor Hunger oder Langeweile, auf der Suche nach Sicherheit oder extremen Erlebnissen – noch nie waren so viele Menschen in der Welt unterwegs und die Gründe für ihre Mobilität so vielfältig. Somit scheinen auch die Grenzen zwischen den sozialen Rollen von TouristInnen und MigrantInnen ihrer Schärfe zu verlieren. Dennoch prägt eine klare Trennung von Migration und Tourismus unsere westlich-kapitalistische Realität weiterhin massgeblich. Dieser Widerspruch erscheint sowohl für die Staatspolitik als auch für die individuellen Weltbilder der Menschen in der „ersten“ Welt programmatisch, denn die Aufhebung dieser Trennung der Auflösung ihrer vermeintlichen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Existenzprämissen gleichkommen würde. Diese immer grösser werdende Diskrepanz zwischen der sich radikal gewandelten gegenwärtigen gesellschaftlichen Realität und ihrer politischen Handhabung wird im Rahmen von MULTIKULTI-TOURS spielerisch reflektiert.
MULTIKULTI-TOURS ist als eine Schweizweite Tour konzipiert. Dabei wird eine ausländische Reisegruppe am verabredeten Ort von einem Guide und ÜbersetzerInnen empfangen. Die jeweils zusammengestellte Exkursionsroute orientiert sich nicht primär an den konventionellen lokalhistorischen Highlites, sondern soll, einen pädagogischen Auftrag überaffirmierend, den anwesenden AusländerInnen den schweizer Alltag näher bringen. Bei jeder angesteuerten Sehenswürdigkeit – so etwa dem Einwohneramt, einem Szenecafe, einer Bank, einer Kleiderboutique oder einem Coiffeursalon u.a. – begibt sich die Reisegruppe unangemeldet in die jeweilige Lokalität und der Guide beginnt mit seinen Ausführungen. Die hierbei verwendeten Texte sind Auszüge aus realen Pressemeldungen, die jedoch durch die Art und Weise ihrer Zusammenstellung eine ironisch-phänomenologische Darstellung der Schweizer Sitten und Bräuche evozieren. Die Gruppe lauscht dem Guide zu und macht touristische Fotoaufnahmen.
MULTIKULTI-TOURS s ist ein Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Bleiberecht-Kollektiv und der Autonomen Schule Zürich umgesetzt wird. Somit sind alle Personen, die im Rahmen der Touren in der Funktion ausländischer TouristInnen agieren, Flüchtlinge, von denen die meisten über keinen geregelten Aufenthaltsstatus in der Schweiz verfügen. Diese Tatsache wird während der Tour zwar nicht explizit kommuniziert, die äussere Wirkung der Gruppe verweist jedoch auf einen sozialen Status, der sich mit einem Urlaubstrip in die Schweiz kaum zusammendenken lässt.
Das Projekt online: www.multikultitours.com
Die erste MultiKulti-tour findet im Rahmen des Bone-Festivals von Schlachthaustheater in Bern statt.