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Zum iGenea DNA-Test Trailer

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DNA-UrkundeDen Anstoss zur Umsetzung dieses Projektes lieferte mir die per Zufall entdeckte Anzeige der Züricher Firma iGENEA, die vor einigen Jahren als erster kommerzieller Anbieter in Europa ein Produkt auf den Markt brachte, das – im Gegensatz zu den bisher existierenden widersprüchlichen Konnotationen des Begriffes der jüdischen Identität – versprach, eine wissenschaftlich belegte Auskunft über die jüdische Herkunft ihrer Kundschaft zu geben:

Sind Sie Jude? Haben Sie jüdische Wurzeln? Sind Sie ein Levi oder ein Cohen?
Mit einem DNA-Test von iGENEA kann Ihr DNA-Profil auf diese Merkmale hin untersucht werden.

Auf welche Bedürfnisse geht dieses Angebot ein und welche Erwartungen führen KundInnen dazu, sie auf diese Weise zu befriedigen? Denn die dasjenige Angebot konstituierenden aktuellen wissenschaftlichen Methoden suggerieren die Möglichkeit, die der jüdischen Identität immanenten Kontroversen endlich zu klären oder gar überwinden. Die Sehnsucht nach der Selbstverortung in einer immer indifferenter werdenden Welt, das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer klar umrissenen Gemeinschaft scheint nun durch Sicherheit eines „naturgegebenen“ Bezugs abgelöst werden zu können. Doch die Frage nach der vermeintlichen Objektivität wissenschaftlicher Tatsachen bleibt unbeantwortet, da so innovativ die angewandten technischen Mittel auch sein mögen, so keineswegs neu ist uns die Hypothese von der Existenz des „jüdischen Gens“.

Die Überlegungen darüber, in wiefern Firmen, die ein solches Angebot generieren, das Wiederbeleben dieser bedenklichen Annahme mitverantworten, interessierten mich jedoch weniger als die Frage, wer und aus welchen Gründen ein solches Angebot für sich beansprucht und was sein Aufkommen im Hinblick auf die gegenwärtige Gesellschaft aussagen kann.

Meine vor einigen Jahren verstorbene jüdische Grossmutter war, wie viele Andere, fest von dem Vorhandensein typisch jüdischer Egenschaften überzeugt und vermochte, das Judischsein einer Person anhand ihrer physiognomischen Merkmale zu diagnostizieren. Presseberichten zufolge geniesst der iGENEA-Test tatsächlich einen breiten Zuspruch in der jüdischen Gemeinde – eine Beobachtung die nachdenklich stimmt, weil sich an dieser Stelle die Frage aufdrängt, warum Menschen, die sich als jüdisch begreifen, einen biologischen Beweis dieser Zugehörigkeit einholen. Ausserdem erscheint das Wohlwollen ausgerechnet in der jüdischen Gemeinde paradox, da die Auswirkungen dieses biologistischen Entwurfes gerade die jüdische Geschichte so einschneidend geprägt haben.

Sowohl im Hinblick auf die genetisch ausgerichtete Überprüfung des Jüdischseins als auch jedes anderen ethnischen Bezugs stellt sich nicht zuletzt auch die die Frage, wie genau ein vermeintliches Zeugnis biologischer Herkunft zur persönlichen Identität eines Menschen beitragen kann. Sind nicht Faktoren wie die Familie und die Tradition, in die wir hineingeboren werden, der politische Status und die soziale Situation, die wir im Verlauf unseres Lebens erfahren, die gesellschaftlichen Rollen und Funktionen, die wir übernehmen, nicht viel entscheidender in der Auseinandersetzung mit der Frage, wer wir eigentlich sind?

Das Projekt, das in einer zweisprachigen Publikation mündet (D/E), basiert auf Gesprächen mit Menschen, die sich anhand unterschiedlicher biographischer Bezüge dem Judisch-Sein zugehörig fühlen (die Recherche wird aus biographischen Gründen auf die Ukraine, Russland, Israel, Deutschland und die Schweiz beschränkt). In einer Interviewähnlichen Situation werden ihre Statements über die jeweilige persönliche Interpretation der jüdischen Identität auf Video aufgezeichnet. Die Abfolge der Gespräche ist als eine Kette konzipiert. Den ProtagonistInnen werden also keine Fragen gestellt, sondern jede interviewte Person reagiert unmittelbar auf den Monolog ihrer Vorgängerin, das ihr in Form einer kurzen Videomontage vorgeführt wird.

Der gesamte Verlauf und somit auch die implizite Dramaturgie des Projekts – die von mir etwa durch das kontroverse Zusammenstellen der ProtagonistInnenabfolge oder mittels des Schnitts ihrer Statements gelenkt wird – bleibt für die Beteiligten verborgen, da sie ausschliesslich mit dem jeweils letzten aufgezeichneten Monolog konfrontiert werden.

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Das Projekt findet im engen Austausch mit Hanno Loewy, Leiter des Jüdischen Museums Hohenems (AT) und der Züricher Autorin Katarina Holländer statt.

Die Publikation THE DNA-PROJECT erscheint im Bucher Verlag Hohenems – Wien im juni 2012
Herausgegeben von: Marina Belobrovaja
Übersetzung: Sascha Hosters und Johannes Kleine (Deutsch/Englisch)
Lektorat: Cornelia Wieczorek
Videostills: Marina Belobrovaja
Gestaltung: Nora Cista + Jane Gebel /www.tarzanundjane.ch
Druck: BUCHER Druck, Hohenems
ISBN 978-3-99018-119-5